Rund ein Jahr nach dem Besuch

Rund ein Jahr nach dem Besuch von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer beim Projekt Lichtblau hat sich vieles verändert: Dank der tatkräftigen Unterstützung der regionalen Arbeitsagentur, die durch die ZDF-Sendung „Dietrich Grönemeyer – Leben ist mehr!“ auf die Initiative One World Now aufmerksam geworden war, haben die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bessere Chancen denn je – zumindest mit Blick auf ihre berufliche Zukunft in Deutschland.

Bildung, Berufsberatung, Begleitung durch den Dschungel der Bürokratie – das sind die Kernanliegen von Hans-Peter Börner, dem lokalen Experten für Berufsberatung der Arbeitsagentur. Börner war bei der Geburtsstunde einer ungewöhnlichen Patenschaft dabei. Einer Patenschaft, die die Regionaldirektion der Bundesagentur Bayern im Schulterschluss mit der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen und Kaufbeuren übernahm. „Patenkind“ ist das Projekt Lichtblau und die dort betreuten Jugendlichen mit oft dramatischen Schicksalen und unsicherer Zukunft.
 
Dabei ging und geht es den Paten darum, vor Ort zu sein und das Gespräch zu suchen, statt abzuwarten, ob Besucher mit Fragen kommen. Die Tage des Kennenlernens sind schon lange her. Lichtblau-Betreuer, Berufsberatungsfachkräfte und Jugendliche längst keine Unbekannten mehr. Stattdessen werden Stück für Stück die Fragen der Gegenwart und Zukunft in Angriff genommen: Klärung des Aufenthaltsstatus der Jugendlichen,  Unterstützungsmöglichkeiten, Beratung, Vermittlung in Ausbildungsstellen, Einstiegsqualifizierung und Maßnahmen für Flüchtlinge wie das Programm „Bayern Turbo“ sind nun Thema. Da geht es um die gemeinsame Nutzung und Erklärung der Internetangebote der Agentur für Arbeit, es geht um Einzelgespräche  zum Thema Berufsausbildung, Schulabschlüsse, nötige Deutschkenntnisse oder die Berufsschule mit ihren Berufsintegrationsklassen (BIJ/BIK).

 

Der Erfahrungsaustausch mit den Jugendlichen, die ausgesprochen engagiert an „Bayern Turbo“ teilnehmen, der Unterschied zwischen anerkannten Ausbildungsberufen im dualen System und Berufsfachschulberufen oder die Zugangsvoraussetzung für die Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege  – das sind nur einige von vielen Dauerbrennern bei den Treffen, die schon zur Tradition geworden sind – und häufig auch gesellig mit Musik und gemeinsamem Essen ausklingen.
 
„Ein Jugendlicher hat mittlerweile eine Ausbildungszusage als Zimmerer“, sagt Hans-Peter Börner.
Mit dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Kaufbeuren werden laufend bei Bedarf Einstiegsqualifizierungen (EQ) angebahnt und bewilligt.

Parallel versuchen die Berufsberater der Agentur für Arbeit mit Vertretern der Ausländerbehörden und Jobcenter bei Bedarf die Rechtslage (Aufenthaltsrecht, Genehmigung der Erwerbstätigkeit für EQ bzw. Ausbildung usw.) im jeweiligen Beratungsfall zu klären. Der Weg mag noch lang sein, aber die ersten Schritte sind gemacht.